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Media Information vom 15. Februar 2004 Brennstoffzellen ja, aber bitte ohne Wasserstoff Ulf Bossel European Fuel Cell Forum Wasserstoff und Brennstoffzellen werden in einem Atemzug genannt. Zusammen sollen der neue Energieträger und der neuartige Energiewandler die Probleme unsere Energieversorgung bis in alle Ewigkeit lösen. Wasserstoff wird zur unendlichen und sauberen Energiequelle hochstilisiert. Die Brennstoffzelle würde dieses Gas dann mit überirdischer Effizienz in Strom verwandeln. Nur mit Hilfe einer Wasserstoff-Wirtschaft, so ist zu vernehmen, könne die Menschheit auch ihre sozialen Probleme lösen. Mit fundamentalistischem Eifer, aber unter Missachtung physikalischer Gesetze und technischer Möglichkeiten, wird die Schaffung einer Wasserstoffwirtschaft gefordert. Selbst hochgestellte Politiker hören auf redegewandte Journalisten und verschmähen die Warnungen kritischer Fachleuten. Offensichtlich gilt: wenn der Präsident verkündet oder das Parlament beschliesst, dann hat die Physik dem politischen Mandat zu folgen. Schön wär's, wenn sich physikalische Gesetze per Mehrheitsbeschluss verändern liessen. Energieprobleme werden immer noch von Ingenieuren und nicht vom Wunschdenken der Politik gelöst. Die Realität sieht nämlich ganz anders aus. Wasserstoff ist keine Energiequelle, sondern lediglich ein synthetischer Energieträger, zu dessen Herstellung mehr Energie benötigt wird als man jemals aus ihm zurückgewinnen kann. Wie Strom in der Leitung oder Heisswasser im Heizungssystem kann Wasserstoff lediglich Energie transportieren. Energie wird an einem Ende der Leitung zugeführt und am anderen Ende entnommen. Heute stammt Energie noch vorwiegend aus fossilen Quellen. Die Umwandlung von Erdgas in Wasserstoff macht deshalb überhaupt keinen Sinn. In einer nachhaltigen Energiewirtschaft, also nach dem Versiegen der fossilen Vorräte, werden Sonne, Wind & Co., vielleicht auch Atomkraftwerke, vorwiegend elektrische Energie liefern, die bei der Elektrolyse von Wasser nur teilweise auf den erzeugten Wasserstoff übertragen werden kann. Wasserstoff ist also Strom in gasförmiger Verpackung. Aber Strom lässt sich bekanntlich auch über Leitungen gut, sicher und sauber verteilen. Ist der Stromtransport mittels Wasserstoff physikalisch, energetisch und ökonomisch überhaupt sinnvoll? Diese Kernfrage wird leider nicht öffentlich diskutiert. Aus welchem Kraftwerk auch immer, direkt geliefert stehen dem Verbraucher etwa 90 Prozent des erzeugten Stroms zur Verfügung. Über Wasserstoff und Brennstoffzelle sind es im günstigsten Fall lediglich 25 Prozent, denn über 30% der edlen elektrischen Energie gehen bereits bei der Elektrolyse verloren. Für die Kompression des Gases werden je nach Druck 8 bis 15%, für die Verflüssigung sogar 30%, für Transport, Lagerung und Umfüllung etwa 10% der im Wasserstoff enthaltenen Energie benötigt. Der Verbraucher erhält höchstens 50% der ursprünglichen Energie als Wasserstoff. Bei der Rückwandlung in Strom mit Brennstoffzellen gehen weitere 50% verloren. Nur etwas 25% der ursprünglich elektrischen Energie stehen dem Nutzer mit Wasserstoff und Brennstoffzelle als Elektrizität zur Verfügung. Drei Viertel sind sinnlos für den Wasserstoff-Luxus vergeudet worden. Hans-im-Glück ist offenbar noch immer nicht gestorben. Die hohen Verluste der Wasserstoffwirtschaft sind physikalisch bedingt und lassen sich auch mit grossem Aufwand kaum verringern. Diese Zusammenhänge sind in der Studie "The Future of the Hydrogen Economy: Bright or Bleak?" (Die Zukunft der Wasserstoff-Wirtschaft: strahlend oder trüb?) umfassend dargestellt (www.efcf.com/reports). Um Verbrauchern die Nutzenergie eines Kraftwerks zur Verfügung zu stellen, müsste man bei einem Energietransport mittels Wasserstoff allein zur Kompensation der hohen Energieverluste zusätzlich noch drei weitere Kraftwerke gleicher Leistung bauen. Unvorstellbar, dass sich die Energiewirtschaft auf derartige Abenteuer einlässt, oder dass der Energieverbraucher für diesen Wasserstoffluxus zu zahlen bereit ist, denn verlustarm verteilter Strom aus der Steckdose wird immer billiger sein als verlustreich gewonnener und aufwändig verteilter Wasserstoff. In einer nachhaltigen Energiezukunft wird man sich keine Energieverschwendung leisten können. Deshalb wird Elektrizität, nicht Wasserstoff die dominierende Rolle spielen. Man sollte sich vermehrt um die Entwicklung neuartiger Stromspeicher bemühen, statt sich der Wasserstoffeuphorie hinzugeben. Das European Fuel Cell Forum, dessen Ziel die wissenschaftlich und technisch abgesicherte Förderung der Brennstoffzellen-Technik ist, bemüht sich um eine sachliche Darstellung der Wasserstoff-Thematik. Auf dem "Lucerne FUEL CELL FORUM 2004" vom 28. Juni bis 2. Juli 2004 in Luzern wird die Realität ehrlich präsentiert. Mit über 220 wissenschaftlichen und technischen Beiträgen in drei parallelen Sitzungsreihen ist dies eine der bedeutendsten Tagungen zum Thema Brennstoffzelle. Angesichts der trüben Aussichten für Wasserstoff wird dieser Energieträger jedoch nur am Rande behandelt. Vor allem aber werden Brennstoffzellen vorgestellt, mit denen auch Kohlenwasserstoffe effizient in Strom umgewandelt werden können. Die Tagung bietet eine sachliche und ehrliche Darstellung des aktuellen Standes der neuen Technik mit einer offenen Diskussion der anstehenden Fragen. Wie jede andere innovative Technik muss sich auch die Brennstoffzelle im Markt bewähren. Geförderte Demonstrationsvorhaben und falsche Versprechungen schaffen keine solide Basis für die Markteinführung der neuartigen Energiewandler. Zur weiteren Verarbeitung kann der Text von der Webseite www.efcf.com/media kopiert werden. Auf Wunsch wird er auch im MS-WORD-Format per EM-Anhang zur Verfügung gestellt. European Fuel Cell Forum, Postfach 99, CH-5452 Oberrohrdorf / Schweiz Tel. +41-56-496-7292, forum@efcf.com. Abdruck honorarfrei, Beleg erbeten Weitere Texte zum Thema finden Sie unter: www.efcf.com/reports >> zurück zur Media Übersicht |
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