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Pressemitteilung vom 5. März 2006

Bewährungsprobe bestanden:
Erste Brennstoffzellen-Anlagen schon 50'000 Stunden in Betrieb


Wasserstoff und Brennstoffzellen werden zusammen als Stromquellen der Zukunft gepriesen. Demonstrationsvorhaben machen Schlagzeilen, Einführungsstrategien werden erarbeitet und international verflochten. Man könnte meinen, Brennstoffzellen liessen sich nur mit Wasserstoff betreiben und Wasserstoff sei der Schlüssel zu einer nachhaltigen Energiezukunft. Beides stimmt nicht, denn Brennstoffzellen sind Energiewandler, mit denen man auch andere chemische Energieträger direkt in Strom verwandeln kann und Wasserstoff ist lediglich ein Transportmittel für Energie, die man zuerst einmal haben muss. Die ersten Brennstoffzellen liefern bereits seit 50'000 Stunden Strom und Nutzwärme. Die Zukunft hat längst begonnen.

Neben den mit Polymermembranen ausgestatteten Zellen, für deren Betrieb man reinsten Wasserstoff benötigt, gibt es nämlich andere Zellentypen, die auch Erdgas, Biomethan oder flüssige Brennstoffe in elektrischen Strom verwandeln können. Bei diesen Brennstoffzellen dienen Phosphorsäure, geschmolzene Karbonate oder keramische Schichten als Elektrolyt. Bereits sind einige hunderte solcher Anlagen im Dauerbetrieb mit Erdgas, Biomethan oder Methanol.

Die ersten mit phosphorsaurem Elektrolyt ausgerüsteten Stromerzeuger wurden schon 1992 installiert. Von den 288 bis heute von United Technology-ONSI (USA) gelieferten PC25 (200 kW) Anlagen sind immer noch etwa 230 in Betrieb. Eine der ältesten (Polizeistation im Central Park von New York, 1999) hat bereits über 60'000 Stunden mit dem ersten Stapel hinter sich und läuft und läuft. Die Anlagen im Feldtest werden mit Erdgas, aber auch mit Biogas, Klärgas oder Butan betrieben. Herkömmliche Bauteile wie Pumpen, Ventilen oder Sensoren haben mehr Probleme bereitet als die neuartigen Zellen und Stapel. Die Anlagen arbeiten sehr zuverlässig. Mit einer Verfügbarkeit von über 96% übertreffen Phosphorsäure-Brennstoffzellen deutlich alle herkömmlichen Stromerzeuger der gleichen Leistungsklasse.

In Deutschland ist die erste mit geschmolzenen Karbonaten arbeitende Pilotanlage 1997 in Dorsten in Betrieb gesetzt worden. Zusammen mit dem amerikanischen Partner FuelCell Energy (USA) hat MTU Friedrichshafen bereits 35 der 250 kW leistenden Anlagen geliefert. Einige dieser "HotModule" von MTU (Deutschland) haben im Feldversuch bereits 30'000 Stunden (fast 4 Jahre) lang zuverlässig Krankenhäuser, Bürogebäude oder Betriebe mit Strom und Nutzwärme versorgt, sowie Energie ins Netz gespeist. Auch diese Anlagen werden mit verfügbaren Brennstoffen wie Erdgas, Biomethan und zu Zeiten hohen Gasverbrauchs auch mit Methanol aus dem Vorratstank betrieben. Technische Probleme gab es fast nur bei konventionellen Bauteilen, aber nur selten mit dem elektrochemischen System von Zellen und Stapel. Die Verfügbarkeit dieser Anlagen liegt ebenfalls über 95%.

Ebenso eindrucksvoll ist die Erfolgsstory der von Westinghouse (USA) entwickelten 100 kW Festoxid-Brennstoffzellen, die im Dezember 1998 in Arnhem (Niederlande) in Betrieb genommen wurde. Nach 16'500 Stunden musste die keramische Trennwand zwischen Luft- und Brennstoffkammer ersetzt werden. Die Anlage wurde nach der Reparatur Anfangs 2001 bei RWE in Essen wieder in Betrieb genommen und 4'000 Stunden lang mit der ursprünglichen Leistung und unvermindertem Wirkungsgrad betrieben. Sie wurde dann in Pittsburgh gründlich analysiert, überholt und läuft nun seit 7'000 Stunden in Turin in Italien. Auch am dritten Standort arbeitet die Anlage immer noch so gut wie am ersten Tag in den Niederlanden. Statt der nominell 100 kW liefert sie bei einem elektrischen Wirkungsgrad von fast 50% im Schnitt 109 kW und etwa 50 kW nutzbare Abwärme.

Diese Erfolgsstory liesse sich durch viele Bespiele ergänzen. Brennstoffzellen sind keine Technologie der Zukunft mehr, sondern heute bereits funktionstüchtige Stromerzeuger. Man kann die neuartigen Generatoren kaufen und einsetzen, auch wenn man – das ist bei jeder neuen Technik so – tief in die Tasche greifen muss. Man muss nicht auf eine Wasserstoffwirtschaft warten, denn diese Zellen arbeiten mit konventionellen Brennstoffen. Diese positiven Erfahrungen mit Brennstoffzellen sind Hauptthema der vom European Fuel Cell Forum vom 3. bis 7. Juli 2006 in Luzern (www.efcf.com) veranstalteten internationalen Tagung. Betreiber von Brennstoffzellen-Anlagen werden ehrlich und kritisch über ihre Erfahrungen berichten. Brennstoffzellen, die nicht nur Erdgas, sondern auch Biomethan sauber und effizient in Strom und Nutzwärme umwandeln können, eignen sich besonders gut für die nachhaltige Gestaltung der Energiezukunft. Diese Brennstoffzellen haben ihre Bewährungsprobe bestanden. Endlich einmal eine gute Nachricht!


Abdruck honorarfrei, Beleg erbeten


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