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Media Information Pressemitteilung vom 2. Oktober 2007 Zwölf Thesen zur Versachlichung der Energiediskussion Ulf Bossel Euroean Fuel Cell Forum CH-5452 Oberrohrdorf Ursache der Klimaerwärmung ist der Einsatz fossiler Energieträger. Gleich ob im offenen Feuer, im Motor oder Heizkessel verbrannt, aus jedem mit dem Brennstoff zugeführten Kohlenstoffatom entsteht ein CO2-Molekül. Statt über Massnahmen zur Verringerung der Klimagasemissionen zu diskutieren, hat man auf dem «European Sustainable Energy Forum» (3. Juli, Luzern) das Übel beim Namen genannt und die eigentliche Problematik angesprochen. Für die nachhaltige Gestaltung der Zukunft muss der Einsatz fossiler Energieträger möglichst schnell reduziert werden. Angesicht der weltweit steigenden Preise für Heizöl und Kraftstoffe macht ein sofortiger Wandel auch wirtschaftlichen Sinn. Bei der Diskussion der notwendigen Massnahmen geht das eigentliche Ziel, die Schaffung einer nachhaltig gestalteten Zukunft, häufig verloren. Es geht nicht um die Substitution fossiler Energieträger durch Wasserstoff, die Nutzung der Kohle mit CO2-Entsorgung oder die Schliessung postulierter Stromlücken. Es geht vielmehr um den Übergang von den chemischen auf physikalische Energieträger. Der Abschied von einer in fünf Generationen entstandenen Energietechnik fällt schwer, aber er muss vollzogen werden, damit alle zukünftigen Generationen in einer nachhaltig gestaltete Zukunft leben können. Die folgenden zwölf Thesen sollen zur Versachlichung der Diskussionsgrundlage beitragen. 1. Nachhaltigkeit ist ein Leben von den Zinsen der Natur. Fossile Energieträger und Uran sind jedoch begrenzt verfügbare Rohstoffe, also Substanz, bei deren Nutzung Stoffe anfallen, welche die Natur nur begrenzt absorbieren kann. Mit diesen Energieträgern lässt sich die Energiezukunft nicht nachhaltig gestalten. Nur mit Energie aus erneuerbaren Quellen kann die Menschelt langfristig überleben. 2. Mit Ausnahme von Biomasse wird Energie aus erneuerbaren Quellen als physikalische Energie geerntet. Die heutige Energieversorgung basiert auf chemischen Energieträgern fossilen Ursprungs. In Zukunft wird Strom aus erneuerbaren Quellen die Basis einer gesicherten und sauberen Energieversorgung sein. 3. Auch für die Bereitstellung von Energie wird Energie benötigt. Bei allen irdischen Energievorräten steigt der Primärenergiebedarf deshalb mit sinkender Qualität der Lagerstätten exponentiell an. Auch bei einer Stabilisierung des Endverbrauchs werden der Primärenergiebedarf und die Energiepreise exponentiell steigen. Dies gilt gleichermassen für fossile Energieträger und Uran. Aus diesem Teufelskreis sollte man möglichst rasch aussteigen, um die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser physikalisch bedingten Entwicklung zu vermeiden, denn aus Energiequellen werden allmählich Energiesenken, wenn man den gesamten Weg bis zur Endnutzung betrachtet. 4. Der Energiebedarf für die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen folgt nicht dem exponentiellen Gesetz. Man benötigt keine Energie, um die Sonne scheinen und den Wind blasen zu lassen. Nur mit «überirdischer» Energie lässt sich die Energiezukunft nachhaltig gestalten. 5. In Zukunft wird man den Energiebedarf für Bau, Wartung und Entsorgung einer Anlage dem kumulierten Energiegewinn während ihres gesamten Lebens bilanzieren. Nur mit Anlagen, deren Netto-Energielieferung den Energieaufwand wesentlich übersteigt, lässt sich das Energieproblem nachhaltig lösen. Windkraft liefert 100-mal, Photovaltaik 10-mal mehr Energie als für Bau und Betrieb der Anlagen benötigt wird. Bei Kernkraftwerken liegt der Energiegewinn im unteren einstelligen Bereich, während die Energiebilanz fossil befeuerter Kraftwerke und Motoren nie positiv sein kann. Auch bei Agrokraftstoffen lässt sich oft kein Energiegewinn nachweisen. 6. Die Umwandlung organischer Reststoffe aus Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Landschaftspflege und Haushalten in Biogas ist aus energetischer Sicht äusserst sinnvoll und sollte flächendeckend verwirklicht werden. Der gezielte Anbau von Grünpflanzen für die Biogaserzeugung (im Sommer!) macht wenig Sinn. Problematisch ist die Gewinnung von Agrosprit aus landwirtschaftlich erzeugten Nahrungsmitteln. Der Einsatz von Mais zur Äthanolerzeugung in den USA ist ein Musterbeispiel für fehlgeleitete Politik. Solche Projekte rechnen sich in einem durch Subventionen und Fördergelder gestützten Markt. Ihre energetische und ökologische Gesamtbilanz ist in der Regel negativ. 7. Landflächen sind nur begrenzt verfügbar und sollten sinnvoll für die Energiegewinnung genutzt werden. Im Vergleich zur landwirtschaftlich gewonnenen grünem Strom liefern Windkraftanlagen etwa 30-mal, Photovoltaikanlagen sogar wesentlich über 100-mal mehr Nutzstrom ins Netz. Dies liegt an dem niedrigen Wirkungsgrad (etwa 0.5%) der Photosynthese und am Energieaufwand für die Umwandlung der geernteten Biomasse in brauchbare Elektrizität. Landwirte könnten jedoch zu geschätzten Energielieferanten werden, wenn marginale Anbauflächen mit PV-Anlagen bestückt würden anstatt auf guten Böden Energiepflanzen anzubauen. 8. Mit Ausnahme von Essen und Trinken benötigt der Mensch physikalische Energie für Fortbewegung, Beleuchtung, Heizung, Kochen usw. Mit Ausnahme von Biomasse liefert die Natur physikalische Energie, vor allem Strom und Wärme. Ziel sollte deshalb die direkte Koppelung von Angebot und Nachfrage sein, also Naturstrom direkt und effizient zum Verbraucher. Strom wird zur «Leitwährung». Man sollte sich bewusst von der chemischen Energie «mit Dank und Anerkennung» verabschieden. Die Zukunft gehört einer «Elektronen-Wirtschaft». 9. Keine Regierung kann Energie per Gesetz «herbeizaubern». Die Politik kann lediglich Rahmenbedingungen für den Energiefluss von der Quelle zur Nutzung schaffen, etwa die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen fördern, eine bessere Energienutzung anordnen und Energieverschwendungen verbieten. Der Energieverbraucher wird seinen Energieverbrauch an seine materiellen Möglichkeiten anpassen müssen, etwa durch Vermeidung sinnloser Verschwendung, durch Einsatz effizienterer Geräte, durch Kollektoren auf dem Dach, oder durch Akzeptanz visueller Veränderungen des Landschaftsbildes durch Windkraftanlagen. 10. Mit zunehmendem Anteil elektrischer Energie wächst auch der Speicherbedarf für diese Energieform. Neben Pumpspeichern wird man in Haushaltsgeräten oder Fahrzeugen viele kleine netzgekoppelte Einweg-Stromspeicher einsetzen, die immer dann geladen werden, wenn Strom von Wind- und Solaranlagen im Überschuss zur Verfügung steht. Der Verbraucher übernimmt die Verantwortung für die dezentrale Strombevorratung. Günstige Tarife könnten Anreize für den Einsatz solcher Einwegspeicher schaffen. 11. Zurzeit steht das CO2-Problem im Vordergrund des Bewusstseins. Da der für die CO2-Bildung verantwortliche Kohlenstoff nahezu ausschliesslich von fossilen Energieträgern stammt, sollte der in Heiz- und Kraftstoffen enthaltene fossile Kohlenstoff mit einer Lenkungsgabe belastet werden. Dies würde Marktvorteile für Biokraftstoffe und Elektrofahrzeuge schaffen. Viele der bereits eingeleiteten oder vorgesehenen fiskalischen Massnahmen zur Minderung der CO2-Emissionen sind kaum verständlich, denn nicht der Motor erzeugt das Klimagas, sondern es entsteht bei der Verbrennung des fossilen Energieträgers, gleich ob im Heizkessel, im Verbrennungsmotor oder mit offener Flamme. 12. Nur bei stabilen Energiepreisen liefern Wirtschaftlichkeitsvergleiche sinnvolle Ergebnisse. Wegen der exponentiell steigenden Preise für irdische Energieträger kann man bei Neuinvestitionen die herkömmliche Energietechnik nicht fair und ehrlich mit Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie vergleichen, für die das Gesetz des exponentiellen Energiebedarfs nicht gilt. Auf der Basis der heutigen Strompreise mag Windenergie heute teuer sein. In einigen Jahren, vor allem nach Amortisation der Investition, wird Windstrom jedoch wesentlich weniger kosten als Strom aus einem fossil befeuerten Kraftwerk. Mit diesen zwölf Thesen lässt dies die Energiediskussion entschärfen. Es geht nicht um die Substitution von Benzin durch natürliche oder synthetische Kraftstoffe, oder um den Wechsel von Kohle- zu Gaskraftwerken. Es geht um den Übergang von der im 19. Jahrhundert entstandenen chemischen zu einer physikalischen Energiebasis, bei der Energie aus erneuerbaren Quellen mit höchster Effizienz geerntet, verteilt und genutzt wird. Voraussetzung für die ernsthafte Diskussion nachhaltiger Lösungen im Energiebereich ist die Akzeptanz dieses grundlegenden Wandels. >> zurück zur Media Übersicht |
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